Der digitale Fußabdruck – Wie der Alltag im Internet unser Klima beeinflussen kann

Wenn wir von Klimaerwärmung lesen, geht es häufig um Dieselmotoren, Plastikmüll, Agrarwirtschaft und besonders Kohlekraftwerke. All dies sind sicherlich sehr kritische Faktoren, die reformiert werden müssen, um das dringend notwendige Ziel von maximal 1,5°C Erwärmung bis 2050 zu erreichen. Aber ein Gebiet, das wir kaum berücksichtigen, ist unser Alltag mit digitalen Medien. Denn auch die dazugehörigen Endgeräte wie Smartphones, Laptops, PCs und Smartwatches benötigen Energie, die sie irgendwoher beziehen müssen. Aber vor allem benötigen die ausgeweiteten Serverfarmen von Facebook, Instagram und Google Strom. Welchen Einfluss diese auf unseren CO2-Ausstoß haben und wie wir in unserem Alltag genau diesen reduzieren können, erkläre ich in diesem Beitrag.

CO2-Emissionen in der digitalen Welt

Die Welt wird digital. Das sieht Frau Anja Karliczek vielleicht nicht unbedingt so, dennoch zeigt die internationale Vernetzung heute schon einen fast lückenlosen Verbund zwischen allen Völkern der Welt. Selbst in Schwellenländern und Nordkorea gibt es Zugang zum Internet, wenn auch deutlich weniger als in Industriestaaten.

Der Einzug der Smartphones

Mit der Digitalisierung der Welt kamen immer mehr technische Endgeräte in die Haushalte. Allem voran natürlich das Mobiltelefon. Zunächst als Handy, mittlerweile fast ausschließlich als Smartphone. Laut Statista waren es vor knapp 20 Jahren noch etwa 30% aller deutschen Haushalte, die über ein privates Mobiltelefon verfügten, sind es bereits seit 2008 mehr als 85%. Mittlerweile fast 100%.

Das Vermehrte Aufkommen von technischen Kommunikationsgeräten führt natürlich zwangsläufig zu einem höheren Energieverbrauch und abhängig von der Energiequelle, zu höheren CO2-Emissionen. In einer Studie von Erol Gelenbe und Yves Caseau wurde der Energieverbrauch weitestgehend aller Informations- und Kommunikationstechnologien (kurz auch IKT) bewertet. Dabei kamen sie zu dem Schluss, dass besonders IKT-Geräte trotz eines langsameren Wachstums zu zunehmendem Energieverbrauch führen würden. Im Jahr 2012 lag der Anteil des weltweiten Energieverbrauchs durch IKT-Geräte bereits bei 4,7%, das entspricht einem Anteil von 1,7% an den globalen CO2-Emissionen. Was zunächst nach wenig klingt, hat aufgrund des Wachstums dramatische Folgen. Dies bestätigt zumindest Lotfi Belkhir von der W. Booth School of Engineering Practice and Technology in Kanada, der prognostiziert, dass 2040 bereits 14% aller Emission weltweit auf Smartphones zurückzuführen sind. Tablets, Laptops und andere IKT-Geräte sind da noch gar nicht berücksichtigt. Angesichts des Klimaziels von 2050 mit einer CO2-Emission von 0% ein gravierendes Ergebnis.

Produktion und Nutzung

Problematisch sei dabei nicht allein die nahezu permanente Verwendung der Smartphones, sondern auch ihre Produktion. Durchschnittlich kaufen Endverbraucher alle zwei Jahre ein neues Modell. Dadurch werden deutlich mehr Smartphones produziert und auch wieder entsorgt, als es aus technischen Gründen notwendig wäre.

Interessant ist im Gegenzug, dass die Digitalisierung in anderen Sektoren zu einem Rückgang der CO2-Emissionen führte. Laut Erol Gelenbe und Yves Caseau zeigten Studien in den USA, dass beispielsweise beim Transportwesen trotz ebenfalls steigendem Branchenwachstum allgemein die Zahl der zurückgelegten Kilometer sank. Dies lässt sich beispielsweise dadurch erklären, dass viele Erledigungen heutzutage auch einfach online erledigt werden können. Damit ist nicht Onlineshopping gemeint, sondern der Besuch beim Amt oder auch das Einholen von Informationen. Ebenso ermöglicht die Arbeit von Zuhause genau solche Einsparungen, da der Weg zur Arbeit nicht mehr notwendig wird. Das bedeutet natürlich nicht, dass dadurch mehr Fahrten vorgenommen werden dürfen, denn auch weiterhin muss der CO2-Austoß im Verkehrswesen auf 0% sinken.

Eine Google-Suche bringt eine Tasse Wasser zum Kochen

Wenn man darüber nachdenkt wie groß die Serverfarmen von Google, Facebook und Co. sind, kommt man sehr schnell zu dem Schluss, dass dies gigantische Stromfresser sein müssen. Aber wie viel Energie verbraucht eine Suche bei Google oder das Surfen auf Facebook, Instagram und Twitter? Dazu hört man sehr viele kuriose Vergleiche. Beispielsweise, dass eine Suche von Google so viel Energie verbraucht, wie es benötigt, um eine Tasse Wasser zum Kochen zu bringen oder um ein Auto 7 cm zu bewegen. Diese Vergleiche sind leider kaum hilfreich und viel zu reißerisch, da sie in keinem Verhältnis zueinanderstehen. Welches Medium wird für die Suche verwendet? Wie grün ist der Strom des Nutzers? Wie wird das Wasser gekocht? Welches Auto muss bewegt werden? Die Unterschiede sind zu groß. Dennoch werden diese Vergleiche häufig zitiert. Aber wie viel Energie verbraucht eine Suche nun?

Zunächst sollte man darüber nachdenken wie wenig Rechenleistung für eine Suche im Internet aufgewendet wird. Eine Suche dauert im Schnitt nicht einmal eine halbe Sekunde und liefert tausende Ergebnisse zurück. Hingegen benötigen Videostreams wie die auf YouTube wesentlich höhere Leistungen. Dies allerdings wird wesentlich seltener angesprochen. Das hat auch einen sehr guten Grund. Denn weder eine Google-Suche noch ein YouTube-Video sind das Kernproblem.

Greenpeace’s überraschender Bericht

Bedenkt man, dass Greenpeace Google sogar eine sehr gute Bewertung in ihrem Clickgreen ausgesprochen hat, verwundern derartig drastische Vergleiche sehr. Denn Google, sowie Apple, haben nicht nur gigantische Serverfarmen, sondern auch ebenso große Kraftwerke. Natürlich können derartig große Konzerne ihren Strom nicht aus irgendeiner städtischen Leitung beziehen und haben für ihre eigenen Einrichtungen grüne Kraftwerkanlagen eingerichtet. Dadurch bescheinigt Greenpeace Google 100% grüne Energie und damit denkbar niedrige CO2-Emissionen. Sicherlich fallen dennoch CO2-Emissionen an, beispielsweise bei der Produktion von Smartphones und anderen Endgeräten. Verglichen mit den Implikationen zuvor, sollte das aber nicht unser größtes Problem sein.

Dies gilt allerdings nicht für alle Serverfarmen, insbesondere nicht für die deutscher Unternehmen. Denn eigene Kraftwerke, besonders basierend auf erneuerbaren Energien, werden nicht gebaut, um das Klima zu schützen, sondern aus rein wirtschaftlichen Gründen. Ebenso wie China machen sich auch Großkonzerne auf diesem Wege unabhängig von externen Kosten und Rohstofflieferanten und setzen daher auf quasi kostenlose Quellen wie Wind, Licht und Wasser. Da Europa, Deutschland allem Voran, weiterhin auf fossile Brennstoffe setzt, können die meisten Unternehmen in Europa nicht mithalten.

Geld scheffeln auf Kosten der Natur

Bitcoin-mining wird häufig kritisiert. Entweder weil sich die Wirtschaft in Gefahr sieht oder Geldinstitute ungewohnt wenig Kontrolle über finanzielle Mittel in der Welt haben. Denn nichts ist schädlicher für eine Bank, als etwas mit dem sie nicht spekulieren kann. Bitcoin-mining hat aber noch ein ganz anderes Problem. Es ist ein großer Energieverschwender.

Natürlich gilt dies nicht ausschließlich für Bitcoins, sondern für die meisten Kryptowährungen. Denn bei all diesen digitalen Währungen wird Rechnerleistung benötigt, um Blockchains zu berechnen. Dabei wird natürlich sehr viel Energie benötigt, denn je schneller der Rechner rechnet, desto mehr Münzen landen im eigenen Portemonnaie. Deswegen gab es sogar zeitweise ein Mangel an Grafikkarten, mit denen Bitcoins in der Regel errechnet werden. Das Problem ist allerdings, dass errechnete Kryptowährungen in aller Regel überhaupt keinen Mehrwert haben.

Nach einer Studie von Christian Stoll, Lena Klaaßen und Ulrich Gallersdörfer beträgt der jährliche Verbrauch an Elektrizität etwa 46 TWh und stößt somit durchschnittlich 22,5 Megatonnen CO2 in die Luft. Dies ist vergleichbar mit dem CO2-Austoß von Kansas-City oder ganz Sri Lanka. Dabei, so die Studie, stammen die meisten Miner aus den USA.

Was wir im Alltag tun können

Vieles liegt in der Hand der Politik oder Großkonzernen. Aber auch in unserer eigenen Hand. Buchstäblich und zwar genau in diesem Augenblick. Besonders dann, wenn du diesen Beitrag auf deinem Smartphone oder Tablet liest.

Reduziere deinen Konsum

Man kann es beinahe für eine Faustregel halten, aber grundsätzlich gilt; Ein Smartphone, ein Laptop oder auch eine Smartwatch ist kein Problem, solange du nicht jedem Trend hinter jagst und sparsam mit deinen Geräten umgehst. Auch das alte Smartphone als gebraucht zu verkaufen verringert nicht die Produktion neuer Geräte. Überlege gut, ob du wirklich ein neues Smartphone brauchst!

Nutze soziale Medien sinnvoll

Auch wenn Google, Apple, Microsoft und Co. auf erneuerbare Energien setzen, verbraucht dein Rechner und dein Provider Energie, um dich mit Informationen zu beliefern. Informationen sind eine wichtige Quelle und ein guter Anfang, um das Klima zu retten. Das setzt allerdings voraus, dass du dies sinnvoll verwendest. Eine großartige Möglichkeit dazu ist diesen Beitrag und viele andere mit Freunden und Bekannten zu teilen, damit auch sie ihr Bewusstsein für den digitalen Fußabdruck schärfen.

Auf Bitcoin verzichten

Kryptowährungen haben sicherlich gute Gründe zu existieren, besonders in Zeiten undurchsichtiger Banken und politischer Bewegungen. Allerdings ist es klimatisch kaum möglich Bitcoins und andere Kryptowährungen zu rechtfertigen. Wer aber gar nicht darauf verzichten will kann entweder schauen vollständig auf echten Ökostrom umzusteigen und eine Kryptowährung zu wählen, die sinnvolle Berechnungen vornimmt. Beispielsweise Gridcoin.

Fordere zum Ökostrom auf

Frage deine Abgeordneten und Unternehmer ob sie sich für den Ökostrom einsetzen und so CO2-Emissionen senken. Allem voran fossile Brennstoffe vergiften die CO2-Bilanz im digitalen Raum. Selbst ein Elektroauto ist nur so grün, wie der Strom, den er bekommt. Das gilt natürlich auch für dein Smartphone und deinen Laptop.

 
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